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Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule, Bardowick, 18-Juni-2010; Vertreter des Landkreises: Herr Prof. Dr. Hinrich Bonin; Schulleiterin: Frau Bewig; 21 Schüler aus einer Klasse der Hauptschule und 54 Schüler aus zwei Klassen der Realschule werden verabschiedet.
Liebe Schülerinnen und Schüler!
Sehr geehrte Eltern!
Sehr geehrte Frau Schulleiterin Bewig!
Sehr geehrte Pädagoginnen und Pädagogen!
Meine Damen und Herren!
Für Sie, liebe Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen, überbringe ich im Namen des Landrats Manfred Nahrstedt, die Glückwünsche des Schulträgers, also von derjenigen Stelle, die für die Unterhaltung und den Betrieb Ihres hoffentlich sehr geliebten Schulgebäudes zuständig ist.
Es ist für mich eine Ehre von dieser Stelle aus, als Mitglied des Kreisauschusses des Landkreises Lüneburg, in Ihre fröhliche Runde blicken zu können.
Einige von Ihnen aus den Abgangsklassen gehören zu den besonders Glücklichen, die eine weiterführende Schule oder eine Lehrestelle in Ihrem Wunschbereich ergattern konnten. Ihnen kann ich nur solchen Erfolg auch in Zukunft wünschen.
Andere habe auch Glück, denn Sie haben eine Lehrstelle, aber leider nicht im Wunschbereich. Ihnen empfehle ich, ziehen Sie diese zweitbeste Lehre konsequent durch. Motivieren Sie sich und grübeln Sie nicht weiter über Ihr Wunschfach. Mit Ihrem Willen können Sie auch eine zunächst weniger geliebte Lehre bestehen. Mit einer erfolgreich abgeschlossenen Lehre können Sie immer noch zu Ihrem Wunschfach kommen. Ist es nicht großartig, dass Sie über einen anschließenden Meisterbrief in Niedersachsen an jeder Universität, auch an einer Eliteuniversität, wie es die Lüneburger werden will, studieren können. Als Informatikprofessor habe erfolgreiche Studierende betreuen dürfen, die über den sogenannten 2. Bildungsweg kamen.
Seien wir ehrlich, mancher von Ihnen hat derzeit eine weniger rosige Perspektive. Klar ist, Sie haben vielfältige Erklärungen, auch berechtigte, dafür: Gesellschaft, Elternhaus, Lehrerinnen, Freunde und Freundinnen haben Schuld. Machen Sie sich nichts vor, jetzt sind Sie gefordert. Ihr Wille, und nochmals Ihr ganze Kraft, sind gefordert, damit Sie Ihr Leben selbst positiv gestalten.
Unstrittig können Sie viel mehr als Ihnen die Schule im aktuellen Abschlusszeugnis bescheinigen konnte. Sie können, wenn Sie mal wirklich wollen, sich eine Menge Wissen sehr schnell aneignen. Oft gibt es diese intuitive Lernbereitschaft allerdings auf Feldern die weniger mit Schule und möglichen Beruf zu tun haben. Begriffe wie beispielsweise WLAN, USB-Stick, Handy-Set-Up kennen Sie, Ihre Eltern möglicherweise nicht.
Ich will hier meine Chance im Rahmen eines Grußwortes nutzen und an Sie eine sehr ernsthafte Bitte richten. Reißen Sie sich zusammen und strengen Sie sich an, dass Sie auf keinen Fall mit dem Jugendrichter und später mit den Strafrichtern zu tun bekommen. Kein Bock und Absacken in die Kleinkriminalität gilt es auf jeden Fall zu vermeiden. Ein solches Kleinziel ist auch bei einem persönlich sehr erschwerten Umfeld für Sie erreichbar.
In unserer heutigen Welt, dem Globalen Dorf, ist das friedliche Zusammenleben von sehr unterschiedlichen Kulturen zwingend geboten. Daher kapseln Sie sich nicht ab, sondern seien Sie offen für Menschen, die gewohnt sind, die gleichen Dinge aus einer anderen Kultur zu sehen und zu bewerten. Lernen Sie im Ausland und von Ausländern. Primitiver Hass auf unbekannte Lebensformen kann sich unser Globales Dorf nicht leisten.
Dass es der Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger heute besser geht als Ihren Urgroßeltern, liegt sicher auch daran, dass die jeweilige Jugend wesentlich besser war als ihr Ruf. Ich bin daher sicher, wir Älteren können uns auf Sie verlassen. Sie werden es sicherlich besser machen als meine Generation. Dazu wünsche ich Ihnen viel Kraft und auch Glück.
Sehr geehrter Herr Präsident Spoun,
sehr geehrter Herr Dekan Hoffmann,
liebe Gäste,
liebe Weggefährten!
Emotional stark berührt nutze ich jetzt die letzte Gelegenheit eine Lektion, also eine eindringliche, wirksame Belehrung, zu erteilen. Etliche Studierende mussten solche Lektionen Jahrzehnte aushalten, deshalb keine Sorge, Sie werden es durchstehen --- auch ohne Weckpillen in Form von PowerPoint-Folien.
Als permanente Modul-Konzepteure, Modul-Verteidiger, Modul-Konsumenten und/oder Modul-Betroffene wissen Sie, es ist ein Erkenntnisziel zu definieren. Eine Bewertung der Historie darf dabei ebenso wenig fehlen wie eine Entwicklungsprognose, zumindest für eine externe Modul-Akkreditierung.
Diese Last-Minute-Lektion hat das Ziel, zu zeigen, dass die Paradigmen der Informatik, salopp formuliert die "Denkwelten der Programmierer" oder noch salopper die "Denkwelten der Computer-Freaks", begeistern können, zum konkreten Handeln motivieren und deshalb auch zukünftig gebraucht werden. Zur Vermittlung dieser Erkenntnis werde ich zwei Hypothesen skizzieren:
Als ich bei der Gestaltung der Lehre in Lüneburg mitwirken durfte, also vor sehr langer Zeit, wurde im imperativen Paradigma auf der Basis von COBOL programmiert. Analyse und Synthese orientierten sich an Sequenzen, if-then-else-Konstrukten und Iterationen von überschaubaren Arbeitspaketen. Die Optimierung von Arbeitsspeichern war angesagt. Klar war bald, mit diesem Paradigma konnten nützliche, komplexe Informationssystem nicht gemeistert werden. Niemand, also weder Ministerium oder Hochschulleitung, behinderten die selbst gewählte Umstellung auf das sich abzeichnende neue Paradigma der Objektorientierung, ob nun in Java, C++, Smalltalk oder auch Ruby. Das Denken in Objekten, die Nachrichten austauschen, diffundierte in viele Wissenschaftsbereiche, beispielsweise in die Organisationslehre mit ihren Netzwerklösungen und Wirkungsketten. Anders gesagt: Lehre und damit auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern konnte sich ohne hierarchische Einmischungen frei entwickeln. Beispielsweise wurde "Advanced Business Application Programming" (also SAPs ABAP) kritisch geprüft oder Aspect-Oriented Programming ausprobiert. Das Leitbild von den Linguisten zu den Biologen gewechselt. Vererbung und Ausbreitungsformen von Viren wurden in das gelehrte Paradigma integriert.
Nichts spricht dagegen, auch in Zukunft die äußerst spannende Entwicklung im weiten Feld der Informatik aufzugreifen, vielleicht indem man die begonnenen "Android-Projekte", also das Programmieren von tausenden von Smartphones, zunehmend in die Lehre einbaut. Solche Paradigmen der Informatik kann die Leuphana Universität Lüneburg in seinen fokussierten Schwerpunkt Bildungswissenschaften, Kulturwissenschaften, Nachhaltigkeitswissenschaften und Managementlehre sehr gut nutzen --- auch wenn man zukünftig keine klassischen Informatiker und/oder Wirtschaftsinformatiker "produziert".
Umgangssprachlich bedeutet Beharrlichkeit die Fähigkeit ein Ziel ausdauernd und beständig zu verfolgen. Welches Ziel sollte oder soll es sein? Fusionsveteranen von der Seite der ehemaligen Fachhochschule wollten Promotionsrecht und geringere Lehrbelastung. Eine hinreichend erfreuliche Promotionsordnung ist rechtsgültig. Die Lehrbelastung ist reduziert. Fazit: "Fusionsfans" haben gewonnen. Schon aus diesen Erwägungen empfehle ich die Wiederwahl des Präsidenten.
Neben- oder Seiteneffekte, so erfahren es Programmierer, erzeugt man oft implizit, salopp gesagt ungewollt. Ein ungewollter Seiteneffekt: Geeignete Studienbewerber, die Informatik bzw. Wirtschaftsinformatik mit Herzblut in Lüneburg studieren wollen gibt es viel zu wenige. Die offensiv und sehr erfolgreich vertretene Neuausrichtung der Leuphana wird das Häuflein in überschaubarer Zukunft eher verkleinern als vergrößern. Eine kritische Masse von Herzblutinformatikern wird ausbleiben. Mut zur Innovation ist gefordert.
Kann man Paradigmen der Informatik in der Kulturwissenschaft, in der Nachhaltigkeitswissenschaft, in den Bildungswissenschaften und im BWL-geprägten Management huldigen, pflegen und ausgestalten. Meine Botschaft ist ein klares "Jein!". Ja, wenn ich an die bisher gezeigte Problemlösungskompetenz denke. Nein, wenn ich sehe, dass täglich neue Baustellen (Stichworte: Major/Minor-Angebote, Standorte, Umzug, Neubau, innere Organisation etc.) aufgemacht werden und dabei wenig Wirk- aber viel Blindleistung produziert wird. Anders formuliert: Auch im Innovationsfeld ist eine gewisse Beharrlichkeit zur Realisierung einer wirtschaftlichen Nutzung zwingend geboten.
Für Sie ist gut, dass diese Lektion nicht mit einem Leistungsnachweis gemäß einer der vielen (noch) gültigen Prüfungsordnungen der Leuphana Universität Lüneburg abschließt. Sicherlich hätte ich sonst, wieder die viele Wiederholer. Ich danke Ihnen daher nicht mit einer bescheinigten Note, sondern mit meiner Freude über einen wunderschönen Berufsabschnitt, den ich mit Ihnen erleben durfte.
Liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten,
verehrtes Direktorium,
verehrtes Lehrerkollegium,
liebe Eltern,
sehr geehrte Damen und Herren,
die schriftliche Einladung der heute zu Ehrenden verspricht uns allen auch ein leibliches Wohlergehen. Der Unterzeichner, in diesem Kontext vielleicht etwas ungehörig als Altabiturient Dieter Stephan bezeichnet, hat sicherlich seinen Beitrag dazu geleistet. Gern danke ich daher vorab allen, die zu dieser Abiturfeier beigetragen haben.
Wenn es um die Tochter oder den Sohn geht, schauen wir Eltern lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit, vielleicht weil die Sorgen der Vergangenheit schon durchlebt wurden während die Sorgen um die Zukunft unzweifelhaft drohen.
Welche Zukunft haben wir Eltern Ihnen gestaltet. Umweltkatastrophen häufen sich. Kriegshandlungen mit deutscher Mitwirkung finden statt. Arbeitslosigkeit dominiert. Soziale Sicherheitssysteme sind offensichtlich nicht mehr sicher. Klar ist, die Elterngeneration hätte vieles besser machen sollen und vielleicht auch können um die vielfältigen Aufgaben, die auf Sie, liebe Abiturienten, warten, für Sie leichter lösbar zu machen. Klar ist aber auch, im Vergleich zu allen Herangewachsenen in Ihrer Altersklasse, haben Ihre Eltern mitgeholfen, Ihnen die beste Perspektive zu eröffnen.
Sie, die kommende Elite, werde die zukünftige Gesellschaft prägen. Heute bekommen Sie ein Stück mehr Verantwortung dafür. Verantwortung tragen zu dürfen, ist etwas Wunderbares. Zum einen wird Verantwortung finanziell gut honoriert und ermöglicht damit einen hohe Lebensqualität. Zum anderen schafft Verantwortung Gestaltungsmöglichkeiten, auch bezogen auf die Selbstentfaltung und die Lebensfreude.
Viele von Ihnen werden zunächst studieren. Die Hochschule ist heute auf Kapazitäten, Studienzeiten, modularisierte Studiengänge, Globalisierung mit Bachelor und Master fixiert. Stark verkürzt formuliert: Die Hochschule verinnerlicht das Paradigma Markt und flüchtet letztlich in eine stärkere Verschulung. Reduzieren Sie Ihr Studium nicht auf eine Fortsetzung des Lernens in der Art und Weise der Schule. Wissenschaftliches Lernen ohne kurzfristige Zweckausrichtung, Bildung durch Wissenschaft macht den Quantensprung bezogen auf die durchlaufene Schulwelt aus.
Trotz aller Reform- und Innovationsrhetorik, welche Organisation, welche Person will heute nicht innovativ sein, bleibt richtig: Die von Ihnen erwarteten neuen Konzepte zur Lösung der gesellschaftlich relevanten Probleme werden nicht primär aus einer am Markt ausgerichteten Wissenschaft kommen. Das Ihnen wohlbekannte Pauken von fachlichem Lehrbuchwissen mit unmittelbarer Bewertung und Belobigung ist nicht hinreichend. Wagen Sie, liebe Abiturienten, ein Engagement, das die Grenzen von verschulten Studiengängen überschreitet. Holzschnittartig formuliert: Machen Sie heute wirklich Schluss mit der Schule.
Und vergessen Sie nicht:
Wissenschaft ist vielleicht eines der letzten Abenteuer auf einer alt gewordenen Erde. So formulierte es der Philosoph Jürgen Mittelstraß in der Frankfurter Rundschau vom 26. Juni 2003. Wir Eltern sollten und ich glaube auch wollen Sie nun nicht mehr daran hindern, dieses Abenteuer mit Freude und Erfolg zu meistern.
In Zeiten blutiger, weltweiter Machtkämpfe (z.B. Afganistan-Krieg, Irak-Krieg) kann das Thema Globalisierung nicht einfach verdrängt werden. Es gilt eine eigene Position zu beziehen und diese anhand der erkennbaren Fakten zu überprüfen. Wenn der zweite Weltkrieg unstrittig Schuld auch bei den Mitläufern produzierte, dann sollte diese Erkenntnis zumindest heute eine >>Mitläuferrolle<< versperren. Daher hier ein paar politische Anregungen zum Schlaumachen für drängende Fragen.
Die Reihenfolge der Anmerkungen hat keine Bedeutung. Einen neuen Beitrag füge ich stets oben ein.
Der mühsam errungene Atomkonsens aus dem Jahr 2000 muss beibehalten werden. Die vereinbarte Gesamtlaufzeit von 32 Jahren pro Reaktor darf nicht verlängert werden. Es ist aus sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten nicht zu verantworten, Atomkraftwerke, die immer stärker unter Materialermüdung leiden, weiterlaufen zu lassen. Insbesondere die Wiederinbetriebnahme des AKW Krümmel ist der Bevölkerung in meiner Region nicht zuzumuten.
Die Bundesrepublik steht nach den katastrophalen Erfahrungen in der Schachtanlage Asse II wieder am Anfang in der Frage des geeigneten Endlagers. Es bestehen erhebliche Zweifel an der Geeignetheit von Salz als Endlagermedium generell.
Ich habe daher mit Überzeugung an der Menschenkette gegen Atomkraft am 24. April 2010 teilgenommen.
Foto: Holger Dirks.
Da erteilen die Wählerinnen und Wähler in Schleswig-Holstein, Hessen, Niedersachsen uws. der SPD einen klaren Denkzettel. Daraufhin verspricht der SPD-Vorsitzende "noch härter zu kämpfen". Ich kämpfe aber nicht gegen den Wählerwillen. Ich überprüfe, warum ich keine Konzepte habe, die begeistern und überzeugen --- zumindestens 50% (=Mehrheit) von ca. 68% der Wahlberechtigten (= Wahlbeteiligung). Klar ist für mich, es fehlt an konkreten Vorschlägen, die glaubhaft die Arbeitslosigkeit reduzieren können. Eine prüfenswerte Idee wäre eine konsequente Energiewende, also "Weg vom ÖL". Kurz gesagt: Wir wollen unsere geschaffenen Werte nicht mehr in die Ölländer transferieren! Dazu bedarfs es einer kräftigen, zielbezogen Finanzspritze, insbesondere für die Kommunen, damit diese eine Vorreiterrolle wahrnehmen können.
"Der Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jim O'Neill nennt Deutschlands Volkswirte 'dogmengläubig'. Konfrontiert mit dem Glaubenssatz 'Keynes ist tot' antwortet O'Neill treffend: 'Adam Smith ist auch tot. Und wenn die deutschen Ökonomen weiterhin so kategorisch denken, wird auch die deutsche Wirtschaft demnächst tot sein.'" (Albrecht Müller in Frankfurter Rundschau vom 22-Sep-2004, S.7 --- mehr von Müller in seinem Buch 'Die Reformlüge')
SPD-Parteivorsitzender Franz Müntefering vergleicht das Wahlergebnis vom 19. September 2004 mit den noch viel schlechteren Prognosen und kommt dann folgerichtig zu einer hinnehmbaren Wertung. Diese Art der politischen Argumentation "geht mir auf den Sack!". "Meine" SPD in Sachsen < 10 Prozent --- quasi gleichauf mit der NPD! Diese Landtagswahl ist nun wirklich eine Abstrafung des Wählers.
Umdenken und umsteuern ist geboten, wenn wir auch zukünftig mit den Bürgerinnen und Bürgern gestalten wollen. Unsere rechtlich-basierte Trick-Kiste erlaubt vielleicht noch ein paar Jährchen an einigen politischen Schalthebeln und schafft ein paar Funktionsträger. Klar, das Wahlvolk muß und wird verstehen, was notwendig und gut ist! Diese Belehrungsposition des Parteivorsitzenden ist im Kern einer Volkspartei unwürdig (undemokratisch?). Nur Splitterparteien müssen so argumentieren. Eine Volkspartei "belehrt" das Volk nicht, denn was sollte eine "Selbstbelehrung" sein.
Bundeskanzler Gerd Schröder hält seine Agenda 2010 für alternativlos. Nun kann man jedoch quasi immer eine Alternative durch Negation formulieren. Dazu ein paar Gedanken:
Hat nicht seine Regierung unter der Federführung von Hans Eichel die Vermögens-, Gewerbekapital- und Körperschaftssteuer abgeschafft und den Einkommensteuersatz von ursprünglich 53 auf bald 42 Prozent gesenkt? Alles mit dem Versprechen die Konjunktur "anzukurbeln"! Nach der umfassendsten Steuerentlastung der Geschichte der Bundesrepublik war klar, die Staatseinnahmen brechen gravierend ein! Folge davon, die Binnen-Nachfrage geht dramatisch zurück, zumal auch Lohnerhöhungen ausblieben. Die Agenda 2010 führt für jedermann klar erkennbar zu einer Schwächung der Binnen-Nachfrage (Massenkaufkraft). Sie schafft ein Klima allgemeiner Verunsicherung mit der Folge, dass Unternehmen ihre Auslastung und Beschäftigung weiter zurückfahren. Ein "Teufelskreislauf", der Vollerwerbsarbeitsplätze massenhaft reduziert, statt sie zu schaffen.
Die Alternative ist klar: Umkehrung dieser Wirtschafts- und Sozialpolitik durch ein umfassendes Beschäftigungsprogramm zur Ankurbelung der Nachfrage. Wie? Beispielsweise durch wohl überlegte Programme wie "Weg vom Öl!" oder "schadenminimiertes Verkehrsystem!" Es gäbe Innovationen überall. Sie müssen nur konsequent angeschoben werden --- wie einst der Schub für Schiene, Schiffbau, Rundfunk oder Atomenergie ...
"...A last word, implicit in everything so far, but recently in that plain speaking about our societies. What we need more than anything is a kind of intelligence. More intelligence. What we all need above all from Americans, on account of their power, is moral intelligence. We and they should see the need for escape from a lot of junk, a lot of morality with too many distinctions in it. We and they need to see how bad things are, and, in particular, how much they are owed to those of us on top."
"Suppose you make it to one of those cocktail parties that some dream about, with famous people at it. You are about to meet the man who may still be spoken of by the Herald Trib as Mr bin Laden, maybe back from the dead. You are also about to meet Mr Blair, who has just agreed to do something about the state of the National Health Service, five years after he was elected. You shouldn't shake hands with Mr bin Laden. You could think about keeping your hand in your pocket with Mr Blair too."
"...Auf dem Speiseplan stehen die Filetstücke der öffentlichen Daseinsvorsorge: Schulen und Universitäten, Renten- und Krankenkassen, Wasser- und Stromversorger. Häppchenweise werden sie den Konzernen zum Fraß vorgeworfen ..." (attac --- eine andere Welt ist möglich, März 2003)
GATS (General Agreement on Trade in Services) ist ein allgemeines Abkommen der Mitgliedstaaten der WTO (Welthandelsorganisation) über Handel mit Dienstleistungen mit dem Ziel der Liberalisierung des Dienstleistungssektors. Dieser wird nahezu uneingeschränkt dem Wettbewerb geöffnet, wobei der Staat die meisten Mittel zur Regulierung des Marktes verliert.
"...Statt nach den geschichtlichen Gründen des Krieges zu suchen, beschränkt man sich auf bloße Parolen wie den >>Kampf gegen das Böse<< ... Die Ideologie der >>Schurkenstaaten<< ... dient als Rechtfertigung, um aus >>humanitären Gründen<< Krieg gegen Länder zu führen, die sich nicht der Neuen Weltordnung und den Grundannahmen des Systems >>freier<< Märkte fügen...."(S.11)
"... Es geht nicht darum, was eine vernünftige Politik, getragen von Staaten, Organisationen, Bürgerinitiativen, gegen verhängnisvolle Aspekte der Globalisierung tun und ausrichten können (Marktöffnung für Produkte der Dritten Welt, Regulierung der Finanzmärkte, soziale und ökologische Mindeststandards für den Welthandel, ökologische Steuerreform usw.). Es geht nicht um die notwendigen politischen Strategien und Widerstandsformen von Gruppen, sondern um das Leben des Einzelnen im Erfahrungshorizont der globalen Vernetzung. ... Über die Lebbarkeit im Hier und Jetzt entscheidet nicht nur die Struktur des Ganzen, sondern auch der Einzelne, der Spielräume entdecken kann, ..."(S.99)
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